Giant Rooks - Rookery

Sie haben schon die namhaftesten Festivals bespielt (von niederländischen Eurosonic bis Rock am Ring), standen vor 12.000 als Support für AnnenMayKantereit auf der Bühne, tourten bereits mehrmals durch Großbritannien, ihre Musik lief zur besten Sendezeit im "Tatort" oder live bei "Inas Nacht" und in den Charts waren sie auch schon. Nur eines hatten Giant Rooks bislang seltsamerweise noch nicht: überhaupt ein Album. Bis jetzt. Das ändern "Giants Rooks" jetzt mit dem erstaunlichen Debüt "Rookery".

Vor fünf Jahren, als einige Bandmitglieder noch zum Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Hamm gingen, veröffentlichten sie ihre erste EP. Zwei weitere viel beachtete Mini-Alben deuteten danach bereits an, welches Potenzial in den Musikern schlummert. Gerade "Wild Stare" bewies schon, wie frisch, unverbraucht und originell Pop und Rock (früher hätte man vielleicht noch "Indie" dazu gesagt), heute noch klingen kann. Müsste man nun Singles auf dem Longplay-Debüt erraten, es wäre kein leichtes Unterfangen. Und das spricht natürlich für die Giant Rooks. "Rookery" ist das von Kritikern wie Konsumenten der jungen Band erwartete erstaunliche Album geworden. Die Songs sind fast ausnahmslos unverkrampft, eingängig, aber nicht schlicht. Das schnörkellose "Silence" geht da noch auf direktestem Weg ins Ohr. Kein Song klingt wie Füllmaterial, jeder einzelne nach hochprofessionellem Handwerk. „Very Soon You’ll See“ ist so gut gelaunt, als wolle es ein zweites „Lemon Tree“ werden. „Head By Head“ würde, aufgenommen von Mumford & Sons, ein Welthit. Bereits bekannte Singles wie “Heat Up” oder “Watershed” sind über jeden Zweifel erhaben und haben ihr Hitpotenzial längst unter Beweis gestellt. Der Fünfer, bestehend aus Sänger Frederik Rabe, Gitarrist Finn Schwieters, Bassist Luca Göttner, Keyboarder Jonathan Wischniowski und Drummer Finn Thomas, schmeißt Einflüsse aus Bob Dylan, Bon Iver bis hin zu Tame Impala zusammen, auch Bands aus den Nullerjahren wie The Kooks kommen einem in den Sinn. Aus dieser eher verstaubt anmutenden Mischung machen die Giant Rooks einen Sound, der zeitgemäß ist und mit Sicherheit DER Festival-Soundtrack 2020 geworden wäre, wenn Corona nicht etwas dagegen gehabt hätte. Die Songs bauen sich herrlich auf, Schlagzeug und Gitarre treiben voran, die Refrains sind nicht selten hymnisch.
“Rookery” hält auch Perlen bereit, die zumindest in Studio-Versionen bisher nicht bekannt waren. Die Spielfreude behält sich die Band aus Hamm das ganze Album über bei, gerne nehmen die Songs gegen Ende noch mal an Fahrt auf (“What I Know Is All Quicksand”, “All We Are”). Die Giant Rooks zeigen, wie es in der heutigen Zeit und Musikwelt eben auch noch geht: Eine kontinuierliche Fanbase aufbauen, Single-Hits vorausschicken und sich mit dem ersten Album keinen traurigen Schnellschuss erlauben. Es mag eine Floskel sein, aber bei dieser Band geht in Zukunft mit Sicherheit noch einiges!

Tracklist

1. The Birth of Worlds
2. Watershed
3. Heat Up
4. Very Soon You'll See
5. Rainfalls
6. Misinterpretations
7. Silence
8. What I Know Is All Quicksand
9. Wild Stare
10. Head by Head
11. All We Are
12. Into Your Arms


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