Celeste - Not Your Muse

Viel falsch machen kann man mit dieser Power-Stimme wohl nicht. Kritiker haben den Gesang der 26-jährigen Soul-Musikerin Celeste bereits mit einigen der ganz Großen verglichen: Aretha Franklin, Billie Holiday, Amy Winehouse.Auf dem Debütalbum „Not Your Muse“ mischt die Britin (mit vollständigem Namen Celeste Epiphany Waite) minimalistischen Retro-Soul mit Anleihen aus R'n'B, Jazz und Pop zu einem Sound, der ihre voluminöse Stimme erstrahlen lässt.

Celeste sprach über das Album bei seiner ersten Ankündigung im Dezember und erklärte, dass es bei "Not Your Muse" um "die Kraft geht, die sie gefunden habe, als sie sich machtlos fühlte". Sie kam im vergangenen Jahr bei der renommierten BBC-Umfrage „Sound of 2020“ auf den ersten Platz und gewann den Brit Award of Rising Star. Wer Glück hatte, erlebte sie noch live im Vorprogramm von Michael Kiwanuka, doch die meisten ihrer Auftritte mussten pandemiebedingt ausfallen. Dafür konnte man ihre frühen EPs und eine Reihe von Vorab-Singles des Albums hören, die ihr bereits Vergleiche mit Amy Winehouse, Adele und sogar Aretha Franklin eingebracht haben. Was absolut nachvollziehbar ist, verfügt die 26-Jährige doch über eine echte Ausnahmestimme, mit der sie von introvertierter Verletzlichkeit bis hin zu forschem Selbstbewusstsein einfach jede Gefühlsschattierung glaubwürdig zum Ausdruck bringen kann. Not Your Muse“ heißt das gute Teil und enthält insgesamt zwölf Songs. Die markerschütternde Intimität, die bereits beim eben erwähnten Konzert nachhaltig wirkte, steht im Mittelpunkt des ruhigen Beginns mit „Ideal Woman“ und dem damals schon gesungenen „Strange“. Während bei „Ideal Woman“ ein zartes Gitarrenspiel sowie ein gelegentlich auftauchendes Schlagzeug die Vocals umgarnen, sind es Piano und dezente Streicher, die „Strange“ nebst Text („Isn’t it strange? How people can change / From strangers to friends / Friends into lovers / And strangers again“) zu einer tieftraurigen und schwermütigen Angelegenheit werden lassen. Band- und bläserverstärkt, mit Grandezza und Euphorieschub tendiert „Tonight Tonight“ Richtung James-Bond-Soundtrack und auch das vorab veröffentlichte „Stop This Flame“ glänzt mit Hymnenhaftigkeit. Bewegende und betörende Musik. Celeste ruft ihr ganzes Potential in Soul, Blues, Gospel, R&B und Pop ab und tritt scheinbar mühelos in die Fußstapfen von Amy Winehouse, Shirley Bassey und Aretha Franklin. Mitreißend und die Welt umarmend in „Tell Me Something I Don’t Know“, schwebend im orchestralen Titelsong „Not Your Muse“ und mit Stimmakrobatik in „Beloved“. Das geschmeidige, edle und trotz Bandvollmodus unsagbar melancholische „Love Is Back“ gehört zweifellos zu den stärksten Soul-Songs seit dem Ableben von Amy Winehouse. Die Qualität der Arrangements und Celestes Stimme verblüffen von Song zu Song neu. Jeder Track sticht heraus und alle verwandeln das Album zu einem kostbaren Juwel. Auf das nächste Konzert müssen wir uns noch ein paar Monate gedulden, doch irgendwann sehen wir Celeste in den großen Hallen wieder. Ganz bestimmt.

Tracklist

1. Ideal Woman
2. Strange (Edit)
3. Tonight Tonight
4. Stop This Flame
5. Tell Me Something I Don’t Know
6. Not Your Muse
7. Beloved
8. Love is Back
9. A Kiss
10. The Promise
11. A Little Love
12. Some Goodbyes Come with Hellos


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